Steuerberatung Reduzierung komplexer Sachverhalte - Lösungen suchen

Steuerhinterziehung, Mitwirkungspflicht

Der fortschreitende Informationsaustausch zwischen der deutschen Finanzverwaltung und den Behörden anderer Länder sowie die Änderung des § 90 AO im Jahr 2009 hat die Informations- und Mitwirkungspflicht für Steuerpflichtige bei Auslandssachverhalten grundlegend geändert. Der Steuerpflichtige ist seitdem zu erhöhten Mitwirkungspflichten bei Sachverhalten verpflichtet, die sich auf „Vorgänge im Ausland“ beziehen. Hiervon sind Privatpersonen wie Unternehmen gleichermaßen betroffen (z. B. Verrechnungspreise, ausländische Anlagen). Der Steuerpflichtige kann sich nicht darauf berufen, dass Sachverhalte nicht aufgeklärt oder Beweismittel nicht beschafft werden können, wenn er bei der Gestaltung der Verhältnisse die Möglichkeit gehabt hat, die Möglichkeit der Beschaffung der Unterlagen sich einräumen zu lassen. Steuerhinterziehung oder -verkürzung gehören in Unternehmen zu den Compliance-Verstößen.

Bisher wurde die Steuerhinterziehung vorwiegend mit privaten Bankkonten im Ausland in Verbindung gebracht. Die Anlage von Vermögen über sogenannte Holding- und Domizilgesellschaften (Briefkastenfirmen) wurde dagegen nicht explizit öffentlich diskutiert. Ein Grund hierfür mag in der anonymen Gesellschafterstruktur der Domizilgesellschaften liegen. Dennoch sollte sich der „anonyme“ Vermögensanleger nicht „in Sicherheit“ wiegen, zumal der Versuch der Steuerhinterziehung bereits strafbar ist und

  • die anonymen Gesellschafterstrukturen aus politischen Erwägungen im Ausland keine Zukunftsmodelle darstellen
  • die Rückführung des angelegten Vermögens und der nicht (vollständig) deklarierten Erträge nach Deutschland nicht ohne Risiko der Verletzung des Geldwäschegesetz möglich ist oder zumindest des Herkunftsnachweises bedarf
  • die Vererbung ausländischen Vermögens komplizierte Rechtsfolgen nach sich zieht

Eine Domizilgesellschaft, die Erträge erwirtschaftet oder deren Wertsteigerung aus einem gesellschaftsrechtlichen Vorgang entstanden ist, kann dem in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtigen Gesellschafter eine Steuerhinterziehung bescheren, soweit die Erträge oder die Wertsteigerung nach deutschem Steuerrecht als steuerpflichtiger Ertrag zu qualifizieren sind.

Der Bundesfinanzhof (BFH) vermutet das Bestehen einer Domizilgesellschaft, wenn bestimmte Merkmale erfüllt sind. Ein hinreichendes, aber nicht notwendiges Merkmal einer Domizilgesellschaft ist die privilegierte Besteuerung im Sitzstaat der Gesellschaft.

Die strafrechtliche Verfolgungsverjährung bei Steuerhinterziehung beträgt maximal zehn Jahre – ohne Berücksichtigung von Ablaufhemmnissen -, wobei der Zehnjahreszeitraum im Normalfall mit Anfang des auf die Abgabe der Steuererklärung folgenden Kalenderjahres beginnt. Stellt der Steuerpflichtige rechtzeitig eine Selbstanzeige, so wird er von der Bestrafung – nicht der Steuernachzahlung – verschont, wenn er in der Anzeige alle bisher nicht deklarierten steuerpflichtigen Sachverhalte offen legt.

Der Steuerpflichtige begeht keine Pflichtverletzung, wenn er bestimmte Informationen der Finanzbehörde nicht offenbart, die nach ständiger Rechtsprechung des BFH, sich nicht auf die Besteuerung auswirken. Vor Erstattung einer Selbstanzeige ist es ratsam, eine Beratung in Anspruch zu nehmen, um:

  • Sachverhalte zu identifizieren, die sich nicht auf die Besteuerung auswirken
  • Vorgänge im Ausland zu identifizieren, die in Deutschland eine Versteuerung auslösen
  • die strafrechtliche Verfolgungsverjährung und steuerrechtliche Festsetzungsverjährung festzustellen
  • die Vollständigkeit der erklärten steuerrechtlich relevanten Sachverhalte zu gewährleisten

Eine Toleranzgrenze für im Rahmen der Selbstanzeige (irrtümlich) nicht deklarierte Erträge besteht entgegen der herkömmlichen Meinung nicht. In diesem Fall sieht das Gesetz keine Strafbefreiung vor.

Unser Angebot

Wir beraten Sie, sollte bei steuerrechtlichen Fragen zu Ihrer neuen oder bestehenden Kapitalanlage im In- und Ausland. Sollte eine Selbstanzeige notwendig sein, werden wir in Ihrem Auftrag die Selbstanzeige erarbeiten und dem Finanzamt vorlegen sowie Ihre Vertretung übernehmen. Natürlich übernehmen wir auch Ihre Verteidigung im Fall des Verdachtes auf Steuerhinterziehung oder sonstigen Compliance-Verstoßes der z. B. anlässlich einer Betriebsprüfung durch das Finanzamt geäußert wird.